Ulla Lachauer

Meine Bücher und Veröffentlichungen

AKTUELLE PROJEKTE

Was mich gerade bewegt.
Wechselrahmen mit Waben und Bienen
Ulla Lachauer bei Gala Bechterevas Bienen in Trakehnen
Eine Schale voller Loewenzahnpollen von einer Wiese in Trakehnen
Wabe mit Drohnenlarven und Varroamilben

Wer sind die Imker? – Unterwegs in Europa

Bienen sind in aller Munde. Warum sie für Kultur- und Wildpflanzen von größter Bedeutung sind, warum und woran sie sterben und wie sie überleben könnten. Der Dokumentarfilm „More than honey“ hat die Naturfreunde aufgerüttelt. Aber wer sind die Imker?

Schon lange habe ich vermutet, dass sie besondere Leute sind. Seit einem Jahr besuche ich Imker in verschiedenen Ländern Europas, schaue ihnen bei der Arbeit zu und lausche ihren Lebensgeschichten. Was bewegt einen Manager aus Stockholm, auf der Insel Gotland als Imker neu anzufangen? Oder einen junge Polen, die Tradition der Zeidler, der Waldbienenjäger, wieder aufzunehmen? Wie überlebten die Bienen den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Imker, fragte ich einen der letzten Deutschen im Isergebirge.

Alte Geschichten, neue Geschichten. Manche handeln vom Zufallsglück, wie die des Slowenen Franc Sivic, der sich als kleiner Junge in die Bienenwelt verliebt. Andere von großen Fragen der Landwirtschaft, wie es dazu kam, dass eine regionale Bienenrasse aus Kärnten, die Carnica, Europa eroberte. Ich wollte wissen, warum der litauische Bauer Mindaugas die kleine Bienenwirtschaft seiner Großmutter Lena Grigoleit bewahrt. Und unbedingt Galina wiedersehen, die Sowchos-Imkerin von Jasnaja Poljana, die ihre Völker durch die postsowjetischen Wirren gerettet hat. Durch diese Reisen hat sich mein Blick in die eigene vertraute Umgebung verändert – Stuttgart als Bienenstadt, der Schwarzwald eine Hochburg von Imker-Dynastien, Deutschland als neue Heimat syrischer Imker.

 

Mein Buch über Imker in Europa wird im Jahr 2018 im Rowohlt Verlag erscheinen. Wieder betreut von meinem wunderbaren Lektor Uwe Naumann. Die Reisen wurden gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

In Kürze erscheint

Daran habe ich zuletzt gearbeitet

Der Bienenkönig.

Das gute Leben des Franc Šivic.

 

„Den Bienenkönig“ nennen ihn manche. Auf einem Foto sieht Franc Šivic tatsächlich so aus: Er trägt – auf nackter Haut – einen majestätischen Bart aus Bienen, von den Schläfen bis zur Brust. An einem südlich warmen Septembertag hat er mir seine Geschichte erzählt.

„Mein ganzes Leben lang haben mir die Bienen Glück gebracht.“ Er ist noch ein kleiner Junge, als er von Ljubljana zu seiner Großmutter aufs Land geschickt wird. Vor der Einschulung soll er ein Jahr lang Kühe hüten. An einem Junitag entdeckt er im Dorf ein großes, buntes Bienenhaus und ist völlig hingerissen. „Ich will Imker werden“, beschließt der Sechsjährige. Der Krieg ist damals gerade zu Ende, das sozialistische Jugoslawien ein Jahr alt.

Bereits als Schüler hält er im elterlichen Garten in Ljubljana drei Völker. Durch den Imker-Verein gerät er in oppositionelle Kreise, und „weil der Wald die Urheimat der Bienen ist“, studiert er Fortwirtschaft. Bienen öffnen ihm früh das Tor zum Westen, sie lassen ihn zum Forscher und meisterhaften Fotografen werden. Sogar in der Liebe, bei der Eroberung seiner Frau Silvana, spielen sie eine Rolle. Heute, in der freien Republik Slowenien, ist der Imker Šivic ein gefragter Mann.

Mein Tag mit Franc Šivic führt mich in ein kleines, immer noch bäuerliches Land, das seinen eigenen Traum von Europa lebt und die Traumata der Vergangenheit nicht los wird. Von Ljubljana sind wir zu seinen Bienenvölkern gefahren, in den eigens für sie angelegten Garten, hoch über der adriatischen Küste.

Ich durfte einen Blick in seine Welt tun – nirgends in Europa wird der Imker so wichtig genommen wie in Slowenien.