Ritas Leute

Eine deutsch-russische Familiengeschichte

Eine deutsch-russische Familiengeschichte

„Ich war glücklich in Kasachstan“, sagt Rita, „sehr, sehr glücklich.“ Schon als Kind träumte sie davon, Sängerin zu werden, und beinahe hätte sie es auch geschafft, aber dann reist die Familie 1989 Hals über Kopf nach Deutschland aus. Rita ist neunzehn, stürzt sich mutig in die fremde Welt. Und während die hier heimisch wird, lernt sie, den Ort ihrer glücklichen Kindheit mit neuen Augen zu sehen. Sie fragt sich: Warum wurden meine Großeltern in die kasachische Steppe verschleppt? Stimmt es, dass einige Verwandte Stalins Terror zum Opfer fielen?

Per Zufall begegnet sie der Historikerin Ulla Lachauer. Ein Abenteuer beginnt, das die beiden schließlich um den halben Erdball führt: an die Wolga, zu den deutschen Kolonien, die Ritas wagemutige bäuerliche Vorfahren auf Einladung des Zaren gründeten. In das sibirische Dorf, wo ihre Mutter Anastasie aufwuchs und ihre Großmutter lebt. Nach Kanada, das einem Teil der Familie, der kurz vor der Oktoberevolution flüchtete, Heimat bot.

Und in die kasachische Steppe, wohin Ritas deutsche Großeltern 1931 deportiert wurden und sie aus dem Nichts eine Stadt bauen mussten: Karaganda.

Ulla Lachauer hat das Erlebte festgehalten. Sie porträtiert die weitverzweigte, liebenswürdige Familie. Im Mikrokosmos dieses Familienschicksals spiegelt sich ein ganzes Jahrhundert deutsch-russischer Historie – ein Stück Weltgeschichte.

Pressestimmen:

„Eine Geschichte der Rußlanddeutschen wollte Ulla Lachauer nicht schreiben. Sie wollte die vielfach verschlungenen Lebenslinien von ‚Ritas Leuten‘ nacherzählen, von Rita Pauls, einer jungen lebenssprühenden Rußlanddeutschen, die ihr zufällig über den Weg gelaufen war. … Der ‚Geschichtsschreiberin‘ ist es gelungen, uns eine Welt nahe zu bringen, die einen nicht unberührt lässt und vielleicht Verständnis weckt für die Menschen aus Russland, die unter uns leben, die ihrer alten Heimat entsagten und eine neue noch nicht gefunden haben.“ (DIE ZEIT)

„Ulla Lachauer hat mit der Geschichte der Familie Pauls einfühlsam ein Stück Menschheitsgeschichte geschrieben. … Auf der Reise in die Vergangenheit hat auch die Familie selbst vieles erfahren, was sie über Jahrzehnte verdrängt hatte. Ein besonderes Verdienst von Ulla Lachauer ist es, die Erinnerungen von Maira Pauls, die noch ganz der bäuerlichen Welt der Russlanddeutschen verhaftet war, festzuhalten. Denn bald gibt es niemanden mehr, der von dieser untergegangenen Welt berichten kann.“ (Der Tagesspiegel)

„Ulla Lachauer hat ein genaues Ohr für die Sprache ihrer Interviewpartner, und die rekonstruiert in ihrem Buch auch die Kulturgeschichte der Russlanddeutschen, indem sie die Kleinigkeiten des Alltags abfragt: von den Hausratsgegenständen und der Arbeit, von den Essgewohnheiten über die Gebete und die Lieder der verschiedenen Generationen bis hin zu Redewendungen. …Und kann in ihrem Buch wunderbar ihre Faszination daran vermitteln. Sie erzählt vom Leben der Großmutter, die das ganze 20. Jahrhundert am eigenen Leib erfahren hatte, vom Vater, der schon als robuster Sowjetbürger aufwuchs, von der zierlichen russischen Mutter und ihrer Verwandtschaft, die noch heute in einem russischen Dorf lebt, wie die Pauls 100 Jahre zuvor an der Wolga, von Ritas Schwester, die wiederum einen Russen geheiratet hat, aber dennoch mit nach Deutschland ausreiste, weil sie die Trennung von der Familie nicht ertragen hätte. Gemeinsam mit Rita fuhr Ulla Lachauer nach Karaganda und berichtet von dieser Stadt, die mit der Sowjetunion groß geworden ist und mit ihr dem Verfall preisgegeben wurde. Sie recherchierte in Archiven und berichtet von den Vorfahren der Pauls, sie knüpfte Kontakte zum kanadischen Zweig der Familie und reiste mit Rita nach Kanada, wo sie auf bäuerliche mennonitische Familien trafen.“ (Lesart)