Land der vielen Himmel

Memelländischer Bilderbogen

Memelländischer Bilderbogen.

Die Fotosammlung Walter Engelhardt

 

Walter Engelhardts Fotos waren eine kleine Sensation, als sie, kurz vor der Wende 1989, aus der DDR in den Westen gelangten. Engelhardt (geboren 1903 im thüringischen Saalfeld, 1970 dort gestorben) war in den 1930er Jahren Lehrer für Deutsch und Kunsterziehung an der Herzog-Albrecht-Schule in Tilsit gewesen, hatte sich in die Region und ein Tilsiter Mädchen verliebt – und er fotografierte mit Leidenschaft.

Wann immer er Zeit hatte, unternahm er Ausflüge ins Memelland, besuchte die Dörfer beiderseits des Stroms, die Kurische Nehrung, die Moorkolonien, er beobachtete das Leben der Bauern und Fischer. Und immer wieder Tilsits quirligen Wochenmarkt. Wenn im Frühjahr die Eisschollen gegen die Pfeiler der Luisenbrücke knallten und Kinder „Schollche fahren“ spielten, war er mit der Kamera dabei. Besonders faszinierte ihn der Zustand, den die Ostpreußen „Schaktarp“ nannten. Buchstäblich im letzten Moment hielt er diese archaische ländliche Welt fest – wenige Jahre später war sie untergangen, wie viele Regionen des deutschen Ostens hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden.

Ulla Lachauer hat die Fotos von Walter Engelhardt herausgegeben und mit kleinen Texten umrahmt – von Johannes Bobrowski, Hermann Sudermann, Ernst Wichert, Christian Donalitius, mit Zeugnissen von in Vergessenheit geratenen Zeitgenossen z.B. des Landarztes Arthur Kittel oder des Berliner Journalisten Otto Glagau. Dazu Kindheitserinnerungen von Zeitzeugen, die sie interviewt hat. In einer Einführung erzählt die Autorin die Geschichte des Memellandes vor und nach 1945 und von ihrer ganz persönlichen Annäherung an diese Region.